Warum echtes Coaching nicht repariert – sondern erinnert

In der Coaching- und Persönlichkeitsentwicklungs-Szene schwingt oft – manchmal laut, manchmal leise – eine Grundannahme mit:

Coaching soll helfen, dass es dem Menschen wieder besser geht.
Dass er wieder funktioniert.
Dass das Problem verschwindet.

Das klingt zunächst sinnvoll.
Und manchmal ist genau das auch der Einstieg.

Doch hier liegt eine feine, oft unbemerkte Grenze.

Denn es gibt einen Unterschied zwischen kurzfristiger Entlastung und nachhaltiger innerer Klärung.
Zwischen geliehener Kohärenz und erinnerter Wahrheit durch die eigene Wahrnehmung.

Wenn Ordnung von außen kommt

Viele Interventionen – ob Coaching, Therapie oder energetische Arbeit – erzeugen zunächst etwas sehr Wohltuendes:

Der innere Druck lässt nach.
Emotionen entladen sich.
Spannungen lösen sich.
Man fühlt sich leichter.

Aus psychologischer Sicht könnte man sagen: Das System reguliert sich.

Aus FREIsicht-Perspektive passiert etwas anderes:
Ein Helfer im Außen übernimmt vorübergehend Ordnung für ein innerlich fragmentiertes System.

Das fühlt sich an wie Heilung.
Doch diese Ordnung kommt nicht aus dem Menschen selbst.
Sie wird von außen nach innen getragen.

Ich nenne das: geliehene Kohärenz.

Geliehene Kohärenz ist nicht falsch. Sie kann stabilisieren. Sie kann Räume öffnen.

Aber sie hat eine Eigenschaft: Sie gehört nicht dem Klienten.
Und genau hier beginnt das eigentliche Thema.

Die stille Entstehung von Abhängigkeit

Wenn ein Mensch regelmäßig erlebt: „Nach der Sitzung geht es mir besser.“
entsteht – meist unbewusst – eine Kopplung:
Der Coach / Therapeut / Heiler wird zur Quelle der Ordnung. Der Klient bleibt Empfänger.

Das kann sehr subtil sein.
Sehr freundlich.
Sehr gut gemeint.

Und trotzdem entsteht ein asymmetrischer Resonanzraum:
Hier der Helfende. Dort der Hilfsbedürftige.
Hier der Wissende. Dort der Suchende.

Nicht aus böser Absicht – sondern aus Resonanz-Logik.

Langfristig kann daraus genau das entstehen, was eigentlich vermieden werden soll:
Abhängigkeit.

Nicht immer. Aber häufig genug, um es ehrlich anzusprechen.

Erinnerung statt Reparatur

In meiner Erfahrungsbegleitung gehe ich einen anderen Weg.

Ich arbeite nicht darauf hin, Menschen „wieder funktionstüchtig“ zu machen.
Ich versuche nicht, Probleme zu entfernen.
Ich greife nicht in innere Prozesse ein.

Meine Haltung ist bewusst passiv.
Ich spiegele.
Ich mache sichtbar.

Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Warum?
Weil echte Veränderung nicht von außen kommt.
Sie entsteht, wenn ein Mensch sich selbst wieder begegnet.
In meinen Worten: Wenn er sich an sein SELBST.BEWUSST.SEIN. erinnert.

Ich nenne das: erinnerte Wahrheit.

Erinnerte Wahrheit bedeutet:
Der Mensch fasst Mut und übernimmt wieder Eigentümerschaft und damit Verantwortung über sein Denken, Fühlen und Handeln.
Er fühlt, was ist.
Er erkennt Muster.
Er übernimmt Verantwortung.
Er integriert.

Langsamer.
Leiser.
Manchmal unbequemer.

Aber nachhaltig.
Hier wird nichts geliehen.
Hier wird erinnert „Wer bin ich wirklich?“

Der entscheidende Unterschied

Geliehene Kohärenz beruhigt das System. Erinnerte Wahrheit verändert es.

Geliehene Kohärenz erzeugt Dankbarkeit. Erinnerte Wahrheit erzeugt Selbstachtung.

Geliehene Kohärenz macht abhängig. Erinnerte Wahrheit macht souverän.

Eine bewusste Klarstellung

Das ist keine Abwertung anderer Methoden oder Kollegen.
Viele arbeiten mit ehrlicher Intention.
Viele bewirken Gutes.

Ich teile hier lediglich mein eigenes Selbstverständnis:
Ich sehe meine Aufgabe nicht darin, Menschen zu reparieren.
Ich halte den Spiegel, bis der Mensch sich selbst wieder erkennt
und sich erinnert an sein SELBST.BEWUSST.SEIN.

Alles Weitere entsteht von selbst.

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