Sprache als Wirklichkeitsfilter
Warum Worte entscheiden, ob Du re-agierst – oder präsent bist
Worum es in diesem Beitrag geht
Sprache beschreibt nicht nur Wirklichkeit. Sprache erzeugt erlebte Wirklichkeit.
Nicht philosophisch.
Nicht spirituell.
Ganz praktisch – im Alltag, im Gespräch, im eigenen Körper.
Der Satz, den du verwendest, entscheidet darüber,
• ob du „Beziehung“ wahrnimmst
• oder ob du in einem (Illusions-)Zustand verschwindest.
Zwei Sätze, zwei Wirklichkeiten
„Ich habe Dich geärgert“ – zwei Protagonisten stehen in Beziehung
Grammatikalisch und in unserer Erfahrung ist hier alles klar:
• Ich = Handelnder / Ursache
• Dich = Betroffener / Wirkung
Auch wenn in der FREIsicht-Logik Ärger nicht gemacht, sondern zugelassen wird, bleibt die Struktur bidirektional:
Es gibt 2 Pole, 2 Rollen, 2 Positionen.
Selbst im Alltagsverständnis ist implizit klar: Da ist jemand, der etwas tut und jemand, bei dem etwas passiert.
Das Beziehungsgeschehen bleibt sichtbar.
„Ich habe mich geärgert“ – die Beziehung kollabiert sprachlich
Und jetzt kommt der spannende Teil, den die allermeisten Menschen nicht wahrnehmen.
Grammatikalisch enthält der Satz formal weiterhin 2 Elemente:
• Ich (Subjekt)
• mich (reflexives Objekt)
Aber:
👉 Im Alltagsverständnis verschwinden diese beiden Pole praktisch.
Die meisten Menschen hören nicht: „Ein Teil von mir hat einen anderen Teil von mir beeinflusst“
sondern: „Ich bin halt sauer gewesen.“
Die „Beziehungsstruktur“ wird nicht mehr wahrgenommen, sondern zu einem einheitlichen Zustand zusammengezogen.
Oder anders ausgedrückt: Die 2 Protagonisten sind nicht weg – sie werden nur unsichtbar, sie verschmelzen quasi.
Es gibt weiterhin
• ein beobachtbares Ich (bewusste Instanz)
• und einen reaktiven Anteil (Ego, Muster, konditioniertes Feld)
Aber durch die Formulierung „ich habe mich geärgert“ passiert etwas Entscheidendes:
🔻 Die innere Beziehung wird nicht mehr als Beziehung erkannt
Der Mensch erlebt:
• keinen inneren Dialog
• keine innere Dynamik
• keine Verantwortung im Sinne von Wahl
Sondern:
• einen scheinbar einheitlichen Zustand
Das ist kein Zufall, sondern sprachlich tief konditioniert.
Präzise formuliert:
• Formal gibt es zwar weiterhin ICH und MICH.
• Im eigenen Erleben verschmelzen sie jedoch.
• Damit wird innerlich eine innere Beziehung zwischen ICH und MICH verdeckt.
Das ist einer der zentralen Mechanismen, durch die:
• Re-Aktivität normalisiert wird
• Selbstverantwortung verschwimmt
• Beobachter-Rolle des ICH verschüttet wird
Der feine Unterschied, der alles ändert
Vergleiche mal diese 3 inneren Sätze:
1. „Ich habe mich geärgert.“
2. „Ein Teil von mir ist gerade ärgerlich.“
3. „Ich bemerke Ärger in mir.“
👉 Was passiert innerlich bei 1.?
• Ärger wird zu Identität
• „Beziehung“ verschwindet
• Verantwortung diffundiert
• Beobachter geht offline
Erlebte Wirklichkeit: „So bin ich halt gerade.“
👉 Nur in 2 und 3 bleibt Beziehung erhalten.
👉 Nur dort bleibt ein Beobachter präsent.
👉 Nur dort ist Freiheit überhaupt möglich.
Sprache entscheidet, ob Du im Geschehen bist –
oder ob Du das Geschehen bist.
Im Alltag zeigt sich das überall:
in Konflikten, in Führung, in Partnerschaften,
immer dann, wenn wir „so sind“, statt wahrzunehmen, was gerade geschieht.
Der zentrale Filterfehler
Viele Alltagsformulierungen löschen Beziehung:
• „Ich habe mich geärgert.“
• „Ich bin enttäuscht.“
• „Ich bin halt so.“
• „Das macht mich wütend.“
Was dabei passiert:
• das innere Erleben wird undurchsichtig
• das innere Erleben wird unveränderlich erlebt
Nicht, weil es so IST – sondern weil die Sprache es so codiert.
Die einfache FREIsicht-Umcodierung
Es braucht keine neuen Inhalte. Nur eine andere sprachliche Position.
Die 3 Grundformen
Wahrnehmen – „Ich bemerke …“
Lokalisieren – „… in mir.“
Trennen ohne Spaltung – „… ist da – und ICH auch.“
Beispiel: „Ich bemerke Ärger in mir – und bleibe präsent.“
Das reicht.
Sprache ist kein neutrales Werkzeug.
Sie ist ein Wirklichkeitsfilter.
Wer „Beziehung“ sprachlich löscht, verliert Freiheit.
Wer „Beziehung“ benennt, kehrt zurück.
Das macht frei und Führung klar.
Wenn Dich das anspricht:
im FREIsicht-Coaching geht es genau darum:
nicht um Veränderung –
sondern um Präsenz.



